#DBW2015 Diabetes Frischling

Auch dieses Jahr mache ich selbstverständlich wieder bei der #DWB2015, der Diabetes Blog Woche mit. Eine Woche lang gibt es auf den teilnehmenden Blogs allerlei Blog-Posts zu vorgegebenen Themen zu lesen.
Heute Samstag: Diabetes-Frischling


diabetes-blog-woche

Als Diabetes-Frischling hat man es nicht leicht. Alles ist neu und ungewohnt. Wo soll man anfangen, was darf man und was nicht? Welche Tipps und Tricks würde ich einem Neu-Diagnostizierten mit auf den Weg geben?

Ein schwieriges Thema, wenn nicht das schwierigste Thema der gesamten Diabetes- Blogwoche 2015.

Ich denke, dass es hier kein Patentrezept gibt. Jeder Mensch ist ja individuell und hat andere Bedürfnisse in dieser Sache! Der Eine findet sich mit der Diagnose schnell ab und macht das Beste aus der Situation. Der andere fällt in ein tiefes Loch und kommt mit der Situation nicht klar.

Deswegen werde ich hier nicht schreiben, was man tun sollte und was nicht. Denn wenn ein  Diabetiker eines überhaupt nicht leiden kann, dann sind das gutgemeinte Tipps.

Ich schreibe lieber über Chancen, die man mit Diabetes hat oder haben kann. Ganz gleich ob Typ 1 oder 2!

Die größte Chance ist, seinen Körper neu kennen zu lernen: Wie regiert mein Körper auf Aktivität, sei es beim Sport oder beim Fenster putzen zuhause. Was beeinflusst meinen Blutzucker wie? Welche Kohlenhydrate lassen den Blutzucker nach oben schnellen und welche gehen eher langsamer ins Blut?

Die Diagnose ist auch ein guter Zeitpunkt, sich endlich mal im Fitness-Studio anzumelden, endlich mal bei Lautreff mitzumachen oder die lang vorgenommene Ernährungsumstellung (Low Carb?) endlich Realität werden zu lassen.

Am besten ist es vergleichbar mit der Situation, wenn man in einer neuen Firma anfängt: Anfangs ist alles neu und ungewohnt. Die internen Prozesse und Abläufe des neuen Arbeitgebers müssen erst verinnerlicht werden. Man ist unsicher und möchte vor den neuen Kollegen nicht blöd dastehen. Also schreibt man sich alles auf: Passwörter, Abläufe, Ansprechpartner.

Anfangs schaut man sehr oft auf diesen Schummelzettel. Man hat keine Routine und braucht eine Guideline. Mit zunehmender Routine braucht man aber die Unterstützung immer weniger bis sie eines Tages in der Schreibtischlade verschwindet und Jahre danach entsorgt wird. Vorher lächelt man aber beim Durchlesen nochmal, weil man es lustig findet, was man damals so als wichtig empfunden hat, was auch heutiger Sicht alles sonnenklar und gelebte Routine ist. Und irgendwann ist man dann selbst der „alte Hase“, den alle um Rat  fragen.

Und genau so ist es beim Diabetes auch. Zuerst ist das große Unwissen, aber ich verspreche jeden neuen Diabetiker dass sich schnell Routine im Alltag einstellen wird. Und die Devise heißt: Fragen, Fragen, Fragen! Was heute unklar ist, wird in einigen Wochen schon viel logischer sein.

Treffe Dich mit Gleichgesinnten, lese unsere Blogs und nutze den Diabetes als Chance! Betrachte den Diabetes nicht als Feind. Denn mit Feinden lässt es sich schwer leben – ab sofort hast Du einen neuen Freund, der Dir manchmal – wie alle guten Freunde – ziemlich auf die Socken gehen wird. Aber auf der anderen Seite ist es auch wichtig, mit seinen Freunden lange gut zurecht zu kommen und zusammen ein schönes Leben zu haben.

Und ein schönes Leben mit Diabetes ist definitiv möglich! Denn eines sollte man sich in regelmäßigen Abständen, wenn es gerade nicht so gut läuft immer in Erinnerung rufen:

„Es ist nur Diabetes!“

Ich habe vor Jahren im Krankenhaus einen Typ 1er kennen gelernt. Er war so alt wie ich und wir haben uns gut verstanden. Als wir eines Nachts vor dem Getränkeautomaten am Gang gesessen sind, das Cola light dort ausgesoffen haben, hat er mir erzählt, dass er durch eine verunreinigte Blutkonserve mit HIV infiziert wurde. Und das war genau der Moment, ab dem ich mich wegen meines Diabetes nie wieder selbst bemitleidet habe.

Denn Selbstmitleid bremst nur. Lösungen und Strategien sind gefragt.

Ich wünsche jeden neu diagnostizierten Diabetiker, dass er schnell eine eigene Strategie entwickelt seinen Diabetes als Chance zu betrachten.

Lass Dich nicht aufhalten, Deine Pläne, Wünsche und Träume zu verwirklichen. Denn es gibt keinen Grund dazu.

In diesem Sinne: Herzlich willkommen im Club!

 

2 Gedanken zu „#DBW2015 Diabetes Frischling

  1. Lieber Max!
    Das hast Du wirklich sehr treffend beschrieben 👍
    Als Neu-manifestierter Diabetiker weiß man leider wirklich nicht wie man damit umgehen soll – und dazu kommen dann auch noch die vielen – zwar gutgemeinten aber leider nutzlosen – Ratschläge und Hausmittel von Nicht-selbstbetroffenen Tanten oder Onkeln, die diese irgendwo aufgeschnappt haben und (wie ich vermute) leider auch falsch verstanden oder wiedergegeben haben 😩
    Was hilft ist aber sich mit langjährig selbst Betroffenen direkt auszutauschen – bei ihnen nachzufragen wie sie es für ihr Leben schaffen dauerhaft gute HbA1c-Werte zu erreichen und dann das eine oder andere auch in mein Leben zu integrieren.
    Und Dein Tipp mehr Bewegung in den Alltag des täglichen Lebens einzubauen hat mir ebenso geholfen den für mich richtigen Weg zu finden.
    Liebe Grüße, Herbert

  2. Hallo Max,
    bei mir ist es jetzt 1,5 Jahre her seit der Diagnose Typ-1.
    Die ersten Tage waren sehr „beklemmend“ für mich, aber schon bald habe ich mich dran gemacht zu schauen, was in dieser Situation gut für mich ist – und bis heute extrem viel gelernt.

    Jede auch noch so drastische Veränderung in einem Leben ist für etwas gut. Du musst dir einfach die Frage stellen „Wofür ist das eine Gelegenheit?“
    Dein Blog und deine Agilität faszinieren mich!

    Alles Gute und liebe Grüße!
    Jeff

    http://living-keto.at

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