#DBW2015 Diabetes und Typ F

Auch dieses Jahr mache ich selbstverständlich wieder bei der #DWB2015, der Diabetes Blog Woche mit. Eine Woche lang gibt es auf den teilnehmenden Blogs allerlei Blog-Posts zu vorgegebenen Themen zu lesen.
Heute Donnerstag: Diabetes und Typ F


diabetes-blog-woche

Freunde, Familie, Angehörige. Was wünsche ich mir von meinem Diabetes Typ F Umfeld, wie möchte ich behandelt werden, und was schießt eindeutig über das Ziel hinaus?

Ich habe damals, als ich begonnen habe, meinen Diabetes wirklich ernst zu nehmen – irgendwie ungewollt – meinen Freundeskreis nachhaltig verändert.

Heute sind unter meinen besten Freunden eigentlich nur mehr Sportler jedes Leistungslevels. Unter ihnen auch viele Diabetiker. Meine Freunde und ich ticken gleich, wir haben alle den selben Vogel, wenn es um Sport geht. Wir messen uns beim Ortstafelsprint, wir tauschen uns über Steigungen in Prozent, FTP- und Wattwerte und über besonders schöne Rennradtouren aus.

Meine Freunde wissen natürlich von meinem Diabetes, fragen nach, wenn sie diesbezüglich etwas wissen wollen und sind bestens geschult, wenn es mir einmal schlecht gehen sollte. Der Diabetes steht aber nie vordergründig zur Debatte. „Max und sein Zucker – die gibt’s nur im Doppelpack!“

Meiner Familie habe ich sehr viel zu verdanken. Und natürlich kennt sie mich länger MIT Diabetes als ohne. Meine Eltern haben sich mit Beginn der CSII-Therapie aus diesem Bereich gänzlich zurück gezogen und können mit vielen Begriffen meiner Diabetestherapie heute nicht mehr wirklich etwas anfangen. Oft ärgere ich mich, wenn ich Begriffe wie „CGM“ oder „Basalrate“ für die Eltern übersetzen und erklären muss. Aber sie sind nach wie vor sehr interessiert bei der Sache, sodass ich das natürlich gerne mache!

Sie haben den Grundstein gelegt, dass es mir heute gut geht. Sie haben mir schon als Kind gezeigt, wie viel Spaß Bewegung machen kann. Das ist übrigens ein großes Problem: Ich bin damals den ganzen Nachmittag draußen unterwegs gewesen. Mit dem Rad, am Fußballplatz, bei Regen, Schnee und Hitze. Heute spielen viele Kinder lieber auf der Playstation Fußball und wenn es zu kalt ist gehen wir lieber nicht hinaus, damit wir keinen Schnupfen bekommen…

Eltern haben die Pflicht, Ihren Kindern Freude an der Bewegung zu vermitteln. Tun wir das nicht, züchten wir die Typ 2 Diabetiker von morgen.

Meine Familie kennt mich also auch nur mit Typ 1. Er ist immer präsent, wird häufig thematisiert, aber ein großes Tamtam wird darum nicht gemacht.

Anders sieht es schon in der Firma aus. Obwohl ich jetzt schon einige Zeit dabei bin, kommen doch noch immer vereinzelt Fragen, a la „Darfst Du das überhaupt essen?“ oder „Geht’s Dir eh gut?“ oder noch besser „Meine Oma hat damals immer….“. Fragen und Ansagen, bei denen jeder Typ 1 Diabetiker unlocker wird, weil diese Fragen schon oft , nein,  zu oft beantwortet werden mussten.

„Leute, ich habe den Scheiß seit 31 Jahren! Lass mich nur machen! Wenn es mir nicht gut gehen sollte, werdet Ihr es mit Sicherheit merken!“

Ich schätze es sehr, wenn sich Kollegen für mich bzw. mein Handicap interessieren. Aber meistens sieht man schon in der Art und Weise der Fragestellung, dass Ihnen das Thema eigentlich egal ist und sie nur Smalltalk führen möchten.  Und

Smalltalk über Diabetes? Also ich kann das nicht.

Möchte ich dann aufklärend etwas tiefer in die Thematik gehen, spüre ich sofort, wie geblockt wird. OK, dann eben nicht.

Aber da bei mir in der Firma sowieso kaum über Privates gesprochen wird ist natürlich auch der Diabetes kein Thema.

Im Grund möchte ich wie jeder andere auch behandelt werden: Ich schätze einen sachlichen, aber doch herzlichen Umgangston. Ich mag es nicht, wenn man in die Ecke gedrängt wird und man keine Chance hat, seinen Standpunkt zu erläutern.

Ich mag es sehr, über meinen Diabetes zu sprechen und die Fragen von interessieren Personen zu beantworten. Ich mag es nicht, wenn das Interesse nur vorgegaukelt wird.

Ich hasse es, wenn der Diabetes auf das Offensichtliche reduziert wird: „Das bisserl Blutzuckermessen…!“ Und ich hasse es, wenn man mir über meinen Körper etwas erzählen möchte. Meistens geschieht das von Personen, die selbst in dieser Rolle auch nicht besonders glaubhaft sind…

„Fragt mich, wenn Ihr wirklich etwas wissen wollt. Ansonsten, lasst mich einfach nur machen!“

 

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