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Sportgadgets und andere treue Begleiter

Heute möchte ich Euch meine Sportgadgets und andere treue Begleiter vorstellen, die mich während meiner sportlichen Aktivitäten begleiten Modische Pulsuhren, Bewegungstracker und bald auch die Apple-Watch und generell alle Produkte, die unter dem Begriff „Wearables“ zusammengefasst sind, sind Geräte eines boomenden Marktes.

Der Markt schwimmt auf einem verstärktem Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung mit. Und das völlig zu Recht. Denn für uns Menschen ist es völlig natürlich, sich mit anderen zu vergleichen und zu messen. Sportgadgets und andere treue Begleiter weiterlesen

24h Radrennen „Rund um die Kirschenhalle“

 Am Wochenende vom 6. auf 7. September 2014 hat es mich in die südliche Steiermark, genauer gesagt nach Hitzendorf verschlagen.

Dort stand zusammen mit meinem Brevet-Partner Oliver Ellmer die 24h WP_20140906_002Radtrophy „Rund um die Kirschenhalle“ auf dem Programm.
Es galt, die 3,8km lange Strecke in 24 Stunden im 2er Team so oft wie möglich zu bewältigen. Und das war nicht nur körperlich eine große Herausforderung.

Als ich mich mit den Gedanken das erste Mal gespielt habe, habe ich nur gewusst, dass es anstrengend sein würde. Aber das hält mich ja nicht ab. An meine Grenzen zu gehen macht mir mittlerweile sogar Spaß – auch wenn der Weg zur Grenze manchmal auch ein bisschen weh tut.

Nach einer gewittrigen Nacht im Zelt wurde samstags pünktlich um 10:30 das Rennen gestartet. Ab diesen Moment lief eine Uhr 24 Stunden lang rückwärts.

Da ich der „B-Fahrer“ war, hat Oliver mit den ersten 6 Runden begonnen. Ich hatte noch 50min Schonfrist und war schon nach den ersten 3 Runden überwältigt, welches Tempo von Beginn an angeschlagen wurde. Wahnsinn!

Die Strecke war noch dazu nass, da es in der Nacht stark gewittert hatte. Und so waren einige Kurven und vor allem die Abfahrt, bei der ich dann in weiterer Folge immer über 60km/h schnell war, gar nicht so ohne zu fahren.

Leider hatte Oliver schon nach wenigen Runden das Pech in der starken Rechtskurve gleich nach der Brücke zu Sturz zu kommen. Ich habe das aber erst viel später mitbekommen. Ich war zu diesen Zeitpunkt schon sehr fokussiert und konzentriert auf die Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte.

Nachdem ich nach ca. 50min für weitere 6 Runden übernommen hatte, begann es erneut zu regnen. Die Strecke wurde wirklich sehr anspruchsvoll. Sie ist von Haus aus schon sehr unrhythmisch angelegt, aber mit Regen, im Pulk mit anderen und ständigen Überholmanövern, engen Kurven und der eigenen Motivation war es oft eine Gradwanderung, nicht zu Sturz zu kommen.
So bin ich meine ersten Runden zwar im Nachhinein viel zu schnell, aber trotzdem relativ passiv und vorsichtig gefahren.
Nun ja – es hat sich dann in weiterer Folge richtig eingeregnet.

Wir hatten uns einen 6er Split ausgemacht. Das heisst, jeder fährt 6 Runden und hat dann Pause, während dessen der andere 6 Runden fährt. Dieses Spiel haben wir von 10:30 bis 10:30 wiederholt.

In den Pausen habe ich zuerst stets meinen Blutzucker gemessen, getrunken, gegessen und die Basalrate für den nächsten Split berechnet. In der Nacht, wo ich eine Basalrate von 0,8 iE/h fahre, war das kein Thema. Aber gegen morgen, wenn normalerweise mein Blutzucker ansteigt und meine normale Basalrate auf 3,5 iE/h hochgeht, musste ich die Rate massiv reduzieren.

Um ca. 3 Uhr morgens hatte ich dann auch das Problem, keine feste Nahrung mehr hinunter zu bekommen. Ich hatte zwar Hunger, aber irgendwie hab ich es nicht mehr geschafft, das Essen, das mir/uns mein Vater Werner, der als Betreuer eine Goldmedaille verdient hat, kredenzt hat, zu essen bzw. zu schlucken. Ich habe dann begonnen, mich nur mehr flüssig in Form von eiweiß- und kohlenhydratreicher Flüssignahrung zu ernähren. Das war das einzige, was noch irgendwie essbar war.

Mit der Morgendämmerung kurz vor 06:00 sind auch meine Lebensgeister langsam wieder zurück gekehrt. Es waren zwar noch 4,5h zu fahren aber mit jeder Runde wurde es heller und man hat richtig bemerkt, wie die Gesichter rings herum immer freundlicher wurden.
 
Oliver und ich waren zu diesen Zeitpunkt an der 10. Stelle des Klassements, relativ gut nach hinten abgesichert. Wir mussten unsere Platzierung nur mehr „nach Hause“ bringen. Nach vorne war leider nichts mehr möglich. Aber egal. Der Weg ist das Ziel und aufgeben tun wieder einen Brief.

Ich hatte dann die Ehre, die letzen Runden zu absolvieren und als einer der ersten 24h Finisher durch das Ziel zu fahren. Ein saugutes Gefühl, diese Herausforderung bestanden zu haben. Ich mache so etwas definitiv wieder!!!!!

Mein Blutzucker hat mich wieder einmal positiv überrascht: Tagsüber war eine Reduzierung der Basalrate um 70-85% notwendig. Die Anpassung habe ich nach einer Messung in den Pausen vorgenommen und je nach Blutzucker und eingenommenen BE´s angepasst.

In den Nachtstunden, in denen ich eine Basalrate von 1iE bis 0,8iE/h „fahre“ konnte nicht mehr viel reduziert werden. Hier habe ich mich mit der angesprochenen kohlenhydratreichen Flüssignahrung ganz gut über die Zeit gerettet.

Fest steht aber, dass so ein Rennen ohne Betreuer oder besser gesagt ohne Betreuer mit diabetischen Hintergrundwissen für mich nicht machbar wäre.
Deswegen nochmals vielen Dank an Werner, meinen Vater.
Um 4 Uhr früh kann man nicht mehr so klar denken und vergisst gerne mal die Messung und es ist auch sehr bequem einfach gefragt zu werden, ob man etwas essen möchte ohne sich selbst darum kümmern zu müssen.
 
Im Nachhinein betrachtet war es ein großes Abenteuer, das ich gerne noch einmal erleben möchte. Es ist eine eigene Stimmung am Tag, freundschaftlich und ehrlich, eine ganz andere Stimmung bei Nacht, wenn bei Sturm und Regen die Krägen der Regenjacken hochgeknöpft werden und sich so mancher fragt: Was mache ich eigentlich hier?
Wenn auf der unebenen Strecke die roten Rücklichter vor einem tanzen und man
stur dem Scheinwerferkegel seines Radlichts nachfährt – ohne Chance, ihn jemals zu erwischen.
Man hat sehr viel Zeit in sich zu gehen und vielleicht eine Lösung für das eine oder andere Problemchen zu finden oder einfach nur abzuschalten und Rad zu fahren bis jemand sagt: So – jetzt ist es vorbei!
Sich nur auf das hier und jetzt zu konzentrieren und vor allem sich selbst auf eine neue Weise kennen zu lernen.
Und es ist zumindest in meinem Falle sicher nicht von der Hand zu weisen:
Nachher sehr stolz auf die eigene Leistung zu sein.
 
Hitzendorf – ich komme wieder! 😉