Schlagwort-Archive: Brevet

Bericht 300km Brevet

Nur eine Woche nachdem es über die 200km Distanz gegangen ist, stand das Brevet über die 300km auf dem Plan. Die Wettervorhersage war sehr bescheiden, die Kondition mittelmäßig, dafür aber die Motivation wieder voll vorhanden. Wie es mir in den 11 Stunden und 35 Minuten ergangen ist, kannst Du hier nachlesen.

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200km Brevet – Es geht wieder los.

Alle Jahre wieder: Meine mittlerweile dritte Saison mit den Randonneurs Austria startete am Sonntag mit dem „kurzen“ 200km Brevet. Die Strecke ist mir mittlerweile sehr gut bekannt. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil: Man kennt alle Schlüsselstellen. Nachteil: Man kennt alle Schlüsselstellen.

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Trainingslager Mallorca

Trainingslager Mallorca 2016

Auch 2016 hat es mich Mitte Februar wieder auf die Insel Mallorca verschlagen, wo ich wie die Jahre zuvor wieder ein Trainingslager absolvieren konnte. Gleichzeitig waren es die ersten ernstzunehmenden Radkilometer im Jahr 2016. Hier ein kurzer Rückblick auf das viel zu kurze Trainingslager.

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Bericht 600km Brevet

Mit dem 600km Brevet hat die Brevetsaison 2015 nicht nur ihren Höhepunkt erreicht, es würde mich – rein theoretisch – auch zur Teilnahme am Langstreckenklassiker Paris – Brest – Paris qualifizieren.
Wie es mir auf meiner 600km langen Reise quer durch Österreich gegangen ist, könnt Ihr hier nachlesen! Bericht 600km Brevet weiterlesen

Bericht 600km Brevet

Nach dem 200km und dem 400km Brevet stand am Wochenende (14./15.6.) ein 600km Brevet auf dem Plan.

Wenn man völlig Unbeteiligten von diesen Vorhaben erzählt, habe ich oft Unverständnis und ein Lächeln, á la „Der spinnt doch…“ oder „So ein Idiot! 600km mit dem Rad, das geht doch gar nicht… der schwindelt sicher!“ geerntet.

Seit diesem Wochenende kann ich mit einem Garmin-Track aufwarten um allen
Zweiflern Lügen zu strafen.

Start war am Samstag, den 14.6. um 07:00 wieder bei der Fussl Tennishalle in Haid bei Ansfelden.
Im großen Pulk radelten wir stetig bergauf in das Mühlviertel, teils mit sehr kräfteraubenden Anstiegen.

Für den ersten Tag waren 317km veranschlagt. Nach dem hügeligen Mühlviertel
wechselten wir kurz vor Gmünd ins ebenso hügelige Waldviertel, teils auf der Originalstrecke des Race around Austria. Über Heidenreichstein und Litschau ging es via Raabs nach Horn. Kurz vor Horn konnte ich aufgrund von Kreuzschmerzen das Tempo der Gruppe nicht mehr halten. Zum Glück kenne ich diese Gegend von unzähligen Trainingsfahrten sehr gut und so bin ich alleine via Messern und Frauenhofen nach Horn zur Pizzeria Milano, in der eine Kontrollstelle eingerichtet war, gefahren.

Nach kurzer Pause – wieder in meiner Gruppe – brausten wir bei guten Wind das Kamptal Richtung Hadersdorf am Kamp hinunter und danach via Grafenwörth
nach Neustift im Felde, wo meine Eltern eine „inoffizielle“ Labestation für alle Teilnehmer eingerichtet hatten. Je näher wir meinen Elternhaus kamen, desto weniger Kreuzschmerzen hatte ich plötzlich. Komisch, was die Psyche alles bewerkstelligen kann.

Danach gings weiter nach Tulln, wo sich Oliver und meine Wenigkeit von der Gruppe verabschiedeten. Grund dafür waren die starken Knieprobleme Olivers. Meine Freundin Kristin hat sich zum Glück bereit erklärt, diese physiotherapeutisch zu behandeln und ein Kinesio-Tape anzubringen.
Der erneute Aufbruch von zuhause war für mich sehr hart, weil mein geliebtes Bett förmlich nach mir gerufen hat. Und nach 300 Tageskilometern wäre ich diesen Ruf gerne nachgekommen.

Aber nicht heute: Es ging nach Michelndorf ins Gasthaus Messerer, wo das Nachtquartier, zumindest für ein paar Stunden geplant war. Am Weg dorthin ist noch bei Oliver eine Speiche gerissen, weswegen ich weitergefahren bin und versucht habe, im Gasthaus Hilfe zu organisieren.
Aber noch bevor der Rettungstrupp losfahren konnte, traf Oliver im Feuerwehr-Auto der FF Königstetten ein. Auch von meiner Seite: Danke an die FF-Königstetten!!!

Der Abend war kurz, ebenso wie die Nacht. Früh morgens gings Richtung Alpen-vorland. Vor diesen Tag hatte ich allerhöchsten Respekt: Ich bin ja keine Berggemse am Rad, obwohl mir das Bergfahren mittlerweile sehr viel Spaß macht. Aber mit meiner Wampe, merke ich bei jeden Berg, dass ich doch ein paar Kilos zu viel auf den Rippen habe…

Von Michelndorf via Kapelln und Böheimkirchen ging es ab Hainfeld in die „Kalte Kuchl“, die vielen Motorradfahrern sicher ein Begriff ist. Und die Temperatur war dort wirklich sehr kalt…

Über unzählige „Ups and downs“ ging es nach St. Aegyd am Neuwalde. Dort in den Bergen hatte ich auch mental das erste Mal richtig zu kämpfen: Ich hatte irgendwie den Überblick verloren über das, was ich hier und jetzt gerade mache. Wie viele Kilometer sind es noch, wie soll ich das schaffen? Als sich dann noch das „Gschaid“ kurz nach St. Aegyd mit guten 14% aufbaute und ich wegen einer Pinkelpause und Dreck im Klipp-Pedal kurz nur mit einer Seite 100% treten konnte, war die Krise perfekt. Aber jammern bringt ja nichts. Es hilft auch schon gar nicht am Rad, denn da gibts nur eines: Weiterfahren oder stehen bleiben. Oben am Gschaid hat mich Olive klatschend erwartet und weg war sie, die Sinnkrise. Es sollte aber nicht die letzte sein.

Bergab nach Mariazell. Immer wieder überholten wir E-Biker und Mountainbiker. Schon irgendwie cool.
Die Labe in Mariazell war kurz und nahrhaft. Wir erfuhren aber auch, das die Gruppe, die wir eigentlich hinter und glaubten, bereits vor einer Stunde den Kontrollpunkt verlassen hatte.
Irgendwo mussten wir uns also verfahren haben?! Einmal kurz nachgerechnet und wir hatten ein „Plus“ von 8km. Wo wir diese aufgerissen hatten, war uns zu dieser Zeit nicht klar.

Aber egal. Wir wollen ins Ziel. Die Strecke ging dann via Gußwerk ins Salzata Richtung Wildalpen. Diese Strasse kenne ich von unzähligen Wildwasserausflügen sehr gut. Irgendwie habe ich beim Anblick der Wassersportler richtig Lust bekommen, wieder einmal die Radhose mit dem Neoprenanzug zu tauschen… 😉

Hinaus vom Salzatal rechts nach Göstling bergauf. Plötzlich habe ich die weiße Straßenbegrenzungslinie doppelt gesehen und ein kurzer „Angstanfall“ gepaart mit Panik und Orientierungslosigkeit holten mich bei 12% Steigung aus dem Sattel.  Ein Hypo. Und was für einer!  Ich glaube, dass dieses Gefühl nur ein Diabetiker nach-vollziehen kann. Arg genug, wenn das zuhause passiert, aber ich war irgendwo in der Pampa des niederösterreichischen Alpenvorlandes. 64mg/dl zeigte das Messgerät. Oliver hatte es wieder einmal erraten und hat genau an der richtigen Stelle auf mich gewartet.
In einer Hauszufahrt wurde der Hypo behandelt. Ein Mix aus Wurstbroten (für die lang anhaltenden Kohlenhydrate) und Traubenzucker (für die schnellen) brachten kurze Zeit später die Kraft in die Beine und ins Gehirn zurück.

Nach der Kontrolle in Göstling an der Ybbs wechselten wir über den „Saurüssel“ hinüber nach Weyer und somit ins Ennstal. Die letzte Kontrolle in Großraming im Gasthaus wurde genützt meinen Hypo mit einer Nutellaschnitte „nachzubehandeln“. Der PDM der Omnipod Pumpe zeigte zwar 158mg/dl aber ich wollte mir einfach mal etwas gönnen  und mich für die bisher gefahrenen 550km auch ein wenig belohnen.

Mit den Gedanken war ich schon im Ziel. Gute 2 Stunden sollte es noch dauern. Habe ich gedacht… Aber kurz eine Abzweigung verpasst und statt beim Riegelwirt sind wir plötzlich mitten in Steyr gestanden. Aus den 2 Stunden sind gute 3 geworden.
Oliver und ich hatten nun wirklich keine Lust mehr. Wir haben laut geflucht, das Roadbook für alles und jeden verantwortlich gemacht…
Aber wie gesagt: Stehenbleiben oder weiter radeln. Andere Alternativen gibts
nicht.

Schlussendlich haben wir doch noch die richtige Strecke gefunden und sind so um 19:50 im Ziel angekommen.

Ich habe an diesen Wochenende gelernt, dass ich mich bei solchen Distanzen voll auf das Radfahren einlassen kann und muss. Alle Probleme des Alltages blende ich aus, suche nach keinen Lösungen und trotzdem ist mir im Lauf dieser 600km einiges klarer geworden.

Ich habe völlig den Überblick verloren, wo ich gerade bin und wie weit ich noch habe, aber mit jeden Tritt komme ich dem Ziel näher. Nicht schnell aber beständig.
Ich bin nicht mit einem Ferrari zu vergleichen. Eher mit einem Geländewagen
mit Dieselmotor, der zwar langsam, dafür aber stetig, jeden Berg bezwingen kann.

Ich habe gelernt, dass nach jedem „Down“ ein „Up“ kommt. Mental und geografisch gesehen.

Ich habe gelernt, dass ich 600km gut fahren kann und weiß nun, dass es nichts bringt, das teuerste Rad zu fahren, wenn es nicht korrekt eingestellt ist: Stichwort: Kreuz-

Zum Schluß noch – wie üblich – die Fakten zum Diabetes

Zuerst möchte ich einmal loswerden, dass ich dieses Jahr mein 30jähriges Jubiläum als Typ I Diabetiker feiere. Nach dieser langen Zeit kann ich mich wirklich glücklich schätzen, dass ich von Spätschäden bis dato verschont geblieben bin und diese Dinge, wie das Rad fahren, mit nur geringen Einschränkungen machen kann.

Und hier meine erste – und sehr wahrscheinlich auch letzte – oberlehrerhafte
Warnung:
Bitte, liebe Diabetiker! Nehmt Abstand vor solchen Distanzen, ohne vorher ähnlich lange Fahrten gemacht zu haben, ordentlich trainiert zu haben, Euren Zucker im Griff zu haben und vor allem die Warnhinweise eures Körpers kennen und deuten zu können.
Bei mir war bei dem Hypo kurz vor Göstling nicht gleich klar, ob das nun Müdigkeit oder eine Unterzuckerung ist. Man ist auch nicht mehr so schnell mit seinen Bewegungen abseits des Rades und das Öffnen einer Traubenzuckerpackung kann da schon mal schwierig werden.

Lernt Euren Körper vor solchen Herausforderungen kennen. Trainiert nicht nur Euren Körper, sondern auch euren Diabetes! Spielt Euch mit temporären Basalraten! Erforscht, wie Euer Körper auf die verschiedenen Kohlenhydrate unter Belastung reagiert! (siehe Mix aus Wurstbrot und Traubenzucker!)

Messt Euch niemals mit gesunden Sportsfreunden. Das geht gründlich schief.
Macht Sport nur für Euch und für sonst niemanden!

So: Oberlehrermodus OFF.

Dieses Wochenende habe ich genau 15 iE Basisinsulin für 48 Stunden gebraucht. Normalerweise verabreicht mir die Insulinpumpe 60 iE in dieser Zeit.

Da die Distanz lang war, hatte ich viel Zeit in meinen Körper zu horchen und schnell auf drohende Unterzuckerugen etc zu reagieren.
Ich habe diesmal aber nicht bei jeder Kontrollstation gemessen und mich auf mein Gefühl verlassen und nur sporadisch kontrolliert.
Trotzdem ist ein Durchschnitts-BZ von 145mg/dl wieder eine Punktlandung!

Achja: Für alle die zu Krämpfen neigen: Eine Brise Speisesalz im Sportgetränk wirkt wahre Wunder!

Ein besonderer Dank gebührt Oliver Ellmer: Vielen Dank für dieses coole
Wochenende! Du hast mich am zweiten Tag selbstlos unterstützt und warst
immer da, wenn ich jemanden gebraucht habe. Ganz egal ob am Gschaid oder bei
meinem Hypo! Es war mir eine Ehre, mit Ihnen zu fahren, Herr „Superrandonneur“!!!

 

Bericht 400km Brevet

Nach einer sehr unruhigen Nacht in der Fussl Tennishalle auf der verschwitze Ringer-matte hat mich um 05:00 das Handy aus dem nicht sehr tiefen Schlaf gerissen.

Das Frühstück in Form von 4 Bananen und ein paar Eiswaffeln hat mir ehrlich gesagt gar nicht geschmeckt, denn ich war ein wenig nervös: Ich wusste nicht, wie es mir an diesen Tag so ergehen würde.

Schlauerweise habe ich mir am Vortag das Rad schon startbereit hergerichtet:
Die Flachen waren gefüllt, die Reifen aufgepumpt und alles startklar. Also nur noch schnell in die Randonneurs-Uniform gesprungen und zum Start gerollt.

Pünktlich um 06:00 war der Start, wie immer bei den Brevetfahrern sehr unspek-takulär. Aber das ist gut so, finde ich.
Ich habe mir das Rennen grob in 100km Etappen eingeteilt. Die ersten fuhren wir in 03:31:00… Ich habe mir keinen Schnitt vorgenommen, denn ich wollte aufgrund von Pannen oder schlechten Windverhältnissen auf dieser Distanz keinen „Plan hinter-herfahren. Denn ein Brevet ist ja kein Rennen. Das Absolvieren der Strecke in der vorgegebenen Zeit ist der „Sinn“ dieser Veranstaltungen.

Kurz vor dem ersten ordentlichen Anstieg hat sich eine in etwa gleich starke Gruppe gebildet, mit der ich spät abends um 22:30 auch das Ziel erreichen sollte.
Das Tempo war mir allerdings ein bisschen (so 3-5km/h) zu schnell und ich hatte wirklich zu tun, den Anschluss nicht zu verlieren. Je länger die Fahrt dauerte, desto besser konnte ich mich einbringen. Anscheinend bin ich für die Langstreck „gebaut“. 😉

Mit gutem Speed, aber trotzdem genug Luft um sich innerhalb der Gruppe auch mal nett zu unterhalten, ging es nach Norden über die erste Kontrollstelle in Taufkirchen Richtung Braunau am Inn.
Bei der zweiten Kontrollstelle in Ranshofen waren leider die Brote noch nicht fertig geschmiert. Deswegen haben wir uns über einen mit dem Auto mitfahrende Betreuer Wurstsemmeln besorgen und nachbringen lassen.
Aufgrund des guten Rückenwindes und der daraus resultierenden Geschwindigkeit von über 30km/h waren wir aber zu früh am Treffpunkt: Weit und breit keine Wurst-semmeln, hektisches Telefonieren. Ferdinand mahnt lauthals zum Weiterfahren und war „leicht säuerlich“ 😉

Thomas und Lubo (die Stärksten in unserer Gruppe!) haben sich bereit erklärt auf die Wurstsemmeln zu warten und uns diese nachzubringen. Vielen Dank dafür!

Nach der 3ten Kontrollstelle ging es stetig bergauf auf den Mondseeberg. Ein Highlight der Runde. Oben angelangt wurden wir mit einem wunderschönen
Ausblick auf das Salzkammergut belohnt. Nicht zu vergessen die Abfahrt mit Vmax von weit über 70km/h hinunter nach Mondsee. Da pfeift es in den Ohren.

Danach hinauf zum Kronberg zum Feuerwehrdepot Erlat zur einzigen offiziellen
Labestelle, die von Ferdinands Sohn Robert betreut wurde: Hier hat es an nichts gefehlt. Vielen Dank für Euer Engagement!!!

Nach einer bisschen längeren Pause wieder eine tolle Abfahrt hinunter zum Attersee, den wir nach Westen gefolgt sind um dann links hinüber zum Wolfgangsee zu wechseln. Über St. Gilgen hinunter nach Bad Ischl.
Rückenwind, eine homogene Gruppe und das Ergebnis ist, richtig: Speed. In null komma nichts waren wir in Bad Ischl angekommen, wo bei der Kontrollstelle Leberkässemmeln und Isogetränke verschlungen wurden.

Schön langsam begann es zu dämmern, Reflektorwesten wurden angelegt, Lichter
montiert.
Und weil der Attersee so schön ist, sind wir von Bad Ischl übers Weißenbachta wieder hinüber zum Attersee geradelt. Ein wirklich wunderschönes wildromantisches Tal, in dem sich ja im Sommer angeblich so einiges abspielen soll?! 😉

Ab dem Attersee, über Lenzing und Stadl Paura (letzte Kontrolle bei km 360) ging es mit Rückenwind stetig bergab. Wir sind nur so dahin geflogen.
Jetzt war es auch schon stockfinster. Ich möchte nicht wissen, was sich so mancher Autofahrer gedacht hat, als ihm so ein wilder Haufen Radfahrer mit Leuchtwesten und Flakscheinwerfern am Lenker entgegen gekommen ist?! 😉

Nach den letzten 40km konnten wir dann schlußendlich in voller Gruppenstärke nach einer Nettofahrzeit von 14:28 und einem Schnitt von 27,4km/h wieder im Ziel bei der Fussl-Tennishalle in Haid einrollen.

Vielen Dank an meine Gruppe, namentlich: Roland, Lubo, Ferdinand, Thomas, Gerd, Andreas und Gerhard. Eine wirklich coole Truppe!

Jetzt wieder immer zum Schluß meiner Berichte, die Diabetes-Facts.

Da ich nun schon 7000km dieses Jahr in den Beinen habe, weiß ich mittlerweile schon sehr gut, wie ich die Basalrate anpassen muss.

Nach der morgentlichen BZ-Messung habe ich bei 155mg/dl und ein paar Bananen
nicht korrigiert und die Basalrate für 12!!! Stunden um 70% reduziert.
Bei jeder Kontrolle und bei jedem Stopp wurde relativ engmaschig kontrolliert und beim leisesten Anschein einer Unterzuckerung sofort mit Energieriegel und Trauben-zucker (auch ohne vorherige Messung während der Fahrt) gegengesteuert.
Hier darf man sich auf keine Experimente einlassen. Hätte ich eine ärgere Unter-zuckerung riskiert, hätte ich die 400km nicht durchgestanden.
Trotz der eher schlampigen Messungen und der Nahrungsaufnahme auf „Verdacht
“ ergeben alle Messungen dieses Tages einen Durchschnittswert von 142mg/dl.
Da meine besten Wattwerte bei Werten zwischen 120 und 160mg/dl anliegen, war
der Tag aus dieser Sicht perfekt.

Auch die Performance am Berg hat mich sehr positiv gestimmt: Ich muss einfach meinen Tritt fahren und mich zurücknehmen und auf mich

konzentrieren, wenn ich überholt werde.

Bericht 200km Brevet

Es ist Sonntag morgen. Du hörst das Klopfen des Regens am Fenster, stehs auf schaust hinaus und bemerkst erleichtert, dass es nur ein wenig nieselt.

Der zweite Blick geht zum Thermometer: 14 Crad. Nicht kalt, nicht warm, aber zum Rad fahren genau richtig. Der dritte Blick führt dich zu den nahen Bäumen, die als „Windradar“ dienen. Du bemerkst sofort: Süd-West-Wind.

Gut , die Fakten sind gecheckt und ich beschließe: Es wird gestartet.

Es ist 04:00 Uhr. Das Müsli habe ich mir am Vorabend bereits in weiser Voraussicht vorbereitet. Meine Augen kann ich kaum offen halten.
Und schuld an allem ist eine gewisse „Conchita Wurst“, die am Vorabend den Song Contest gewonnen hat und ich mir das Ranking bis spät in die Nacht natürlich reinziehen musste. Aus heutiger Sicht keine gute Idee.

Wenigstens der Blutzucker ist in Ordnung und langsam fährt auch mein Körper seine Systeme hoch und ich beginne langsam klar zu denken, während ich verzweifelt eine Rosine in meinem Müsli suche.

Wenig später sitze ich im Auto und fahre nach Haid bei Ansfelden. Die Autobahn ist trocken und leer und es geht gut voran. Vorfreude kommt auf.

Am Startort angekommen sind die Anmeldeformalitäten schnell erledigt und ich
bereite mich und mein Rad auf die 200km lange Strecke vor. Flaschen werden gefüllt, Traubenzucker wird gebunkert und zur Sicherheit wird noch eine zweite Regen- und Softshelljacke eingepackt.

07:45: Es beginnt zu Nieseln. Die Blicke richten sich vermehrt zum Himmel und es wird versucht, die Wetterlage einzuschätzen.

07:55: Es schüttet in Strömen. Jeder steht dicht eingepackt am Start, der völlig un-spektakulär erfolgt.

08:10: Ich bin völlig durchnässt. Bei km 6…

Die ersten 60km gehen durch hügeliges Terrain. Es macht Spaß mit meinen Brevet-kollegen Kurt langsam ins „Rennen“ zu kommen.

Kurz vor Pinsdorf kommt noch extrem starker Gegenwind auf. Meine Lippen sind blau, meine Hände nass und unfähig irgendetwas zu greifen. Die Motivation ist im Keller und ich überlege, umzudrehen und mich zuhause ins Bett zu legen.

Bei km 70 kommen erstmals „komische“ Gedanken, wie „…in 30km ist Halbzeit
und von dort an wäre es ja wirklich irrsinnig umzudrehen, weil da ist es ja kürzer, wenn ich weiterfahre…“

Ich konnte im Vorfeld die Berge dieser Runde schlecht einschätzen, muss aber im Nachhinein sagen: Ich bin mit meiner Performance am Berg sehr zufrieden.
Auch aufgrund der großen Kälte habe ich mich schon sehr auf den ersten ordentlichen Anstieg auf den Kronsberg, der die Verbindung zwischen Traun-
und Mondsee bildet, gefreut.
Also raus aus dem Sattel und den Berg am großem Kranz durchdrücken.
Langsam kehrt die Wärme in die Gliedmaßen zurück.

Da so ein Brevet ja kein Rennen im Herkömmlichen Sinn ist, ist es üblich auf schwächere Kollegen der Gruppe am Berg zu warten.
Schlechte Idee: Ich habe dermaßen gezittert, dass es mir nicht möglich war, meinen Helm abzunehmen und eine Haube für die bevorstehende kalte Abfahrt aufzusetzen.
Öffnen eines Müsliriegels? Unmöglich.

Dann die lange Abfahrt. Kalt ist nur ein Hilfsausdruck. Ich musste die ganze Zeit bremsen um nicht zu schnell zu werden. Einerseits, weil die Rennradbremsen bei Regen sehr schlecht ziehen und andererseits um nicht zu schnell zu werden, damit ich nicht noch mehr auskühle. Zusätzlich zu diesen Problemen habe ich dann noch so zu zittern begonnen, dass sich diese Zitterbewegungen auf das Rad übertragen haben und ich ganz heftige Schlangenlinien bergab gefahren bin.

Unten am Mondsee ist das Wasser zentimeterhoch auf der Strasse gestanden.
Jedes Auto das und überholt hat, hat uns aufgrund der Wassergischt zusätzlich von unten bis oben abgeduscht.

Zu diesen Zeitpunkt hatte ich aber schon meine zweite „Regenpanier“ mit der
Softshelljacke darunter an und mir war trotzdem relativ warm.
Dass meine Schuhe und meine Hose total nass waren, muss nicht extra erwähnt
werden… 😉

Hinauf zur zweiten Labe, die in einem Feuerwehrdepot untergebracht war: Dort gabs vom Organisator Ferdinand die beste Suppe, die ich jemals gegessen habe. Endlich etwas warmes im Magen und die Lebensgeister kamen langsam zurück. Dazu ein Stück Kuchen und ein Wurstbrot. Mei, war das ein Schmaus!

Von da an zeigte sich die Brevetrunde von ihrer besten Seite. Es ging ständig leicht bergab, wir hatten nun Rückenwind und sind mit 40km/h nur so dahingeflogen. Nun hatte ich auch die Möglichkeit, endlich ein bisschen die Landschaft zu genießen: Denn auf den ersten 100km war mein Blick ständig nur 3m vor dem Fahrrad auf der Strasse.

Bei der letzten Labe habe ich mir einen Marsriegel gegönnt. Dieser hat mich die letzten 50km dann heimgebracht.

Schlussendlich konnte ich dieses Brevet völlig durchnässt aber sehr stolz und  glücklich in brutto 09:25 und netto in 08:15 absolvieren.

Die heiße Dusche nach der Zielankunft war nicht nur sehr angenehm, sondern auch hart verdient!

Blutzuckerfacts:
Ein Blutzuckermessen unterwegs war einfach nicht möglich. Aufgrund der Kälte war es unmöglich mit dem PDM zu hantieren und die Stechhilfe „scharf“ zu machen.
Ich bin aber mit 141mg/dl gestartet und hatte meine Basalrate für 7 Stunden
um 95% reduziert.
Blutzucker bei der Zielankunft: 78mg/dl.
Verbrannte Kalorien lt. Garmin: 7.800 cal. Eingenommen: 10BE in Form von
Kuchen, Reiswaffeln und Müsliriegel.

Fazit: Ich will mehr! Mehr Strecke! 😉